Buchboxtest #1

Zugegeben, ich stand dem Thema Buchboxen bzw. überhaupt Überraschungsboxen – die es ja in sämtlichen Zusammenhängen gibt (Japanbox, geekgearbox, world of wizardry…) – kritisch gegenüber. Denn eigentlich sammelt sich doch nur unnötiger Krempel an, den man nicht braucht und (da ja immerhin die Möglichkeit besteht, dass er nicht einmal gefällt) wegschmeißt. Boxen, die für die Mülltonne produziert werden, nicht gerade nachhaltig, so jedenfalls mein Vorurteil. Da Buchboxen (ob für sich allein stehend oder als Marketingmaterial von Verlagen und SelfpublisherInnen) jedoch immer präsenter werden und ich das Thema an sich durchaus spannend finde – welche Herangehensweisen gibt es, wie ist die Qualität der Goodies, was für neue Bücher gibt es zu entdecken? – habe ich beschlossen, mich in Zukunft ein wenig durch Buchboxen zu testen und sie euch hier vorzustellen. Alles selbst gekauft, zynische Kommentare inklusive.

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Schmökerbox

Den Anfang machte bei mir die Schmökerbox, die es in der klassischen (Literatur) oder noir-Version (Krimi) gibt. Darin enthalten ist dann neben einem Buch aus den aktuellen Verlagsprogrammen „noch ein wenig Lesezucker […]. Das heißt, du bekommst drei bis acht Goodies, die speziell auf das Buchthema abgestimmt sind. Und das Beste: Mindestens eins der Goodies darfst du erst an einer bestimmten Stelle im Buch öffnen.“ (Website). Eine Box also, die sich zum Ziel setzt, uns LeserInnen noch ein wenig mehr in die Geschichte mitzunehmen. Von den drei Boxkonzepten hat mir dieses am besten gefallen. Doch der Reihe nach.

Die Oktoberbox 2020 trug das Motto „Im Geiste“ und wurde auf der Website (wie auch alle anderen) liebevoll und mysteriös angekündigt: „Manche Dinge sind vorhersehbar, leicht zu erfassen, durch ihre Kausalität erklärbar. Anderes erscheint unfassbar, inkonsequent und irrational. […] Starke Verbindungen werden geknüpft und gelöst. Missverständnisse führen zu Unverständnis und Aufruhr. Hoffnung und Trauer reichen sich die Hand.“ Den Buchtitel erfährt man nicht, aber den Verlag. Wenn man es also darauf anlegt, kann man durchaus herausfinden, ob das Buch einen interessiert, oder aber sich einfach überraschen lassen. Der Spaß kostet inkl. Versand 39,95€, wobei das diesmonatige Buch einen Ladenpreis von 22,00€ hatte, Maggie O’Farrels „Judith und Hamlet“, das Shakespeare und die Entstehung von „Hamlet“ erfrischend nebenbei behandelt und stattdessen seine Frau und Kinder in den Mittelpunkt rückt.

Hier der Klappentext:

Agnes sieht ihn und weiß: Das wird er sein. Dabei ist der schmächtige Lateinlehrer aus Stratford-upon-Avon noch nicht einmal achtzehn. Egal, besser, sie küsst ihn schnell. Besser, sie erwartet ein Kind, bevor ihr einer die Heirat verbieten kann. Vierzehn Jahre später sind es drei Kinder geworden. Doch wie sollen sie auskommen, solange ihr Mann wer weiß was mit diesen Theaterstücken treibt? Er ist in London, als Agnes im Blick ihres Sohnes den Schwarzen Tod erkennt.

Was war drin?

  1. Maggie O’Farrels „Judith und Hamlet“, Piper Verlag
  2. Lesezucker-Brotbeutel („der dich ab jetzt zum Bäcker begleiten kann, steht für die Ausflüge der Geschwister und auch die Nähe von Agnes zu ihrer Mutter“)
  3. Keramikschale mit Holzlöffel („spiegelt den Kampf von Judith und Hamlet wider, die angemischte Medizin, die helfen soll“).
  4. Briefpapierblock (damit „vereinen wir die Welten von Agnes und ihrem Mann, die Dringlichkeit von Briefen und die Schwierigkeit, schnell Kontakt aufzunehmen“
  5. Apfelmagnet („steht für das Kennenlernen von Agnes und ihrem Mann.“)
  6. Karte mit Distelmotiv („symbolisiert Agnes, ihre Fähigkeiten und ihre Unabhängigkeit.“)
  7. Lesezeichen, passend gestaltet zum Boxthema „Im Geiste“ mit Zitat aus dem Buch
  8. geheimes Goodie, das man erst nach Erreichen einer bestimmten Seite öffnen durfte, diesmal handelte es sich um Shakespeares „Hamlet“ – ein fantastischer Einfall!

Wenn wir einmal rechnerisch rangehen und vom Ladenpreis (!) ausgehen, dann blieben für die Goodies abzüglich der Versandkosten, die ich auf 4,99€ schätze, knapp 13 Euro übrig. Und nach 13 Euro sehen die Goodies, die allesamt von hervorragender Qualität sind, nun wirklich nicht aus. Der Brotbeutel konnte wegen Coronabeschränkungen beim Bäcker zwar noch nicht zum Einsatz kommen, aber er macht deutlich mehr her, als meine schlichten Netze. Und auch der Briefblock mit dickem, hochwertig bedrucktem Papier war mir willkommen. Zusammen mit der Keramikschale (den Holzlöffel habe ich leider verbummelt, darum ist er nicht auf dem Bild) und der „Hamlet“-Ausgabe machen diese Goodies wohl die Hauptelemente aus. Ob man nun den Apfelmagnet und die Distelkarte braucht, das passende Lesezeichen gibt es hingegen in jeder Box, darüber kann man nun müde die Schultern zucken. Doch es sind zumindest keine Dinge, die man so überhaupt nicht gebrauchen kann. Die Karte wird als Geburtstagskarte für meine Oma herhalten und der Apfelmagnet klemmt zusammen mit Postkarten am Kühlschrank. Der gesamte Boxinhalt fügt sich also problemlos in meinen Haushalt ein und weckt noch dazu immer wieder Assoziationen zur Geschichte. Was die Schmökerbox angeht, kann ich mein Vorurteil also getrost zur Seite schieben und eine Empfehlung aussprechen. Ganz anders bei der nächsten Box…

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Witchcrown Box

Jugendfantasyboxen gibt es einige. Da ich ja meist so meine Probleme mit Jugendbüchern habe, war ich dankbar, dass man sich zum Titel auf der Witchcrown-Website spoilern kann (so man denn will). Überraschenderweise hatte ich das Buch der Oktoberbox erst kurz zuvor bei Dussmann in der Hand gehalten und dann doch wieder weggelegt, kurzerhand entschied ich mich also zum Kauf. Und sagen wir mal so… „Der Schlüssel der Magie“ von Robert Jackson Bennett (das ich mittlerweile auch ausgelesen habe, ein Zwischending zwischen Jugendbuch und erwachsener Fantasy mit interessantem Magiesystem, das ich ganz okay fand) war dann auch neben einer Kerze und Tee das einzig brauchbare an der Box.

Für die Neugierigen hier der Klappentext:

Sancia ist eine Diebin – und zwar eine verdammt gute. Daher ist sie im ersten Moment auch begeistert, als sie ihre neueste Beute betrachtet: ein Schlüssel, der jedes Schloss öffnet. Doch dann wird ihr klar, was das bedeutet. Man wird sie jagen! Jedes der mächtigen Handelshäuser wird dieses Artefakt besitzen wollen. Denn die Magie des Schlüssels ist nicht nur alt und mächtig. Die Person, die sie kontrolliert, könnte die Welt verändern. Plötzlich ist Sancia auf der Flucht. Um zu überleben, muss sie nicht nur lernen, die wahre Macht des Artefakts zu beherrschen. Sie muss vor allem alte Feinde zu neuen Verbündeten machen …

Das Oktobermotto lautete „Dangerous Thieves“ und anders als etwa die Schmökerbox beziehen sich die Goodies nicht zwangsläufig auf das Buch, sondern verschiedene Bücher/Fandoms aus dem Bereich Jugendfantasy, die zum Monatsthema passen. Das Problem hierbei liegt auf der Hand: Man wird nie all diese Bücher gelesen haben, denen die Goodies huldigen. Insofern kann man mit dem ein oder anderen Motiv zwangsläufig wenig anfangen – aber vielleicht gefällt es ja auch ohne Zusammenhang. Denn was diese Box macht, ist Fanarts zu verarbeiten und sie mit Produkten zu kombinieren, jedes Goodie war also individuell und „exklusiv für die Box angefertigt“, wenn auch nur durch Aufkleber…

Der weiteren Besprechung voraus schicken möchte ich noch zwei Beobachtungen: Im Gegensatz zu den anderen Boxen erhielt ich von Witchcrown zwar eine Versandbenachrichtigung, jedoch weder eine Sendungsnummer noch Mail vom Paketzusteller, mit der ich meine Sendung verfolgen konnte. Auf der Website kann man nur wenige vergangene Boxen einsehen und insgesamt wirkt sie etwas unübersichtlich und weniger professionell als beispielsweise die der Schmökerbox. Was ich damit sagen will: Auch das Bestellerlebnis, das sicherlich nicht so wesentlich wie der Boxinhalt selbst ist, aber doch erwähnt gehört, war nur so lala.

Was war drin?

  1. Robert Jackson Bennetts „Der Schlüssel der Magie“, blanvalet 
  2. Kerze Teakwood (inspiriert durch „Six of Crows“)
  3. Teedose mit 100g Bio Hibiskusblütentee (inspiriert durch „Der Kuss der Diebin“) und Mini-Herzanhänger
  4. Untersetzer (inspiriert durch „Four Dead Queens“)
  5. Lesezeichen (inspiriert durch „Six of Crows“)
  6. falls gegen Aufpreis dazu bestellt (was ich nicht habe): T-Shirt mit Lesezeichenmotiv
  7. Werbeartikel: Leseprobe „Die Legende der Adlerkrieger“ (HEYNE), Postkarte mit Klappentext „City of fallen magic“ (loomlight), „Calior“ (Selfpublishing)

Bezahlt habe ich für diese… Box 38,00€ zzgl. 4,99 Versand, also knapp 43,00€. Ich überlasse es jetzt mal euren Rechenkünsten, herauszufinden, wofür die 23,00€, die da neben dem Buch (hier ist ja der BuchhändlerInnenrabatt nicht einmal beachtet) für die Kerze, Teedose + Tee, Untersetzer und Lesezeichen ausgegeben wurden. Ich nehme an, dass die Fanarts, die auf diesen Produkten zu sehen sind, ihren Preis kosten und ich würde sicher nicht so harsch mit dieser Box ins Gericht gehen, hätte ich nicht den Vergleich zur Schmökerbox, doch was mich wirklich enttäuscht hat, noch mehr als dieses Preis-Leistungs-Ungleichgewicht, war die mindere Qualität der Produkte. Und die fing tatsächlich schon bei der Box selbst an.

Während die anderen beiden Buchboxen nahezu schadlos den Weg zu mir gefunden haben, war das Material der Witchcrownbox schon um einiges mehr in Mitleidenschaft gezogen – und nein, es liegt nicht am Versanddienstleister, ich habe mir andere Reviews angeschaut, die Box ist einfach aus billigerer Pappe gefertigt und das Motiv leicht unscharf drauf gedruckt. Im Vergleich zu den anderen Boxen wirkt sie von außen schlicht nicht besonders wertig gefertigt.

Aber darüber könnte man ja hinwegsehen, immerhin ist es nur die Box, wenn der Inhalt begeistern würde. Aber auch hier ist der Aufkleber der Teedose schief angebracht und fusselt an den Rändern, der Untersetzer zeigt ein unfassbar verpixeltes Motiv und die beigelegte Photochallenge-Karte ist auf der Rückseite nicht sauber geschnitten, man sieht den weißen Rand – da frage ich mich doch ernsthaft, was die sogenannten Qualitätsansprüche sind, deretwegen sich der Versand der Box um einige Wochen verschob, weil ein Artikel erneut bestellt werden musste… Kein Goodie strahlt Qualität aus. Nun, die Tatsache, dass der Tee „Bio“ ist, sollte hier wohl verteidigend hervorgehoben werden und auch die Kerze mit ihrem herrlich knisterndem Holzdocht ist nicht zu verachten, wobei ich mir hier eine andere Lösung als einen Plastikdeckel wünschen würde. Aber immerhin ist der Aufkleber recht hochwertig. Doch egal wie man es dreht und wendet: Es sind vier/fünf Goodies (wenn wir Tee und Teedose trennen), von denen eines ein Lesezeichen ist, das man in entsprechender Auflage billig produzieren kann (ich habe es leider verbummelt, darum auch hier kein Bild davon – aber das Motiv war ganz nett), und eines ein Untersetzer, den man niemandem anbieten kann.

Die Witchcrown-Box ist eine einzige Enttäuschung und ich schäme mich für meine KollegInnen, die Monat für Monat kostenlose Boxen zugeschickt bekommen und während ihrer Werbelaberei bewusst verschweigen, wie es sich hier mit dem Kriterium Qualität verhält. Zu den Leseproben sage ich an der Stelle gar nichts mehr, vielleicht mag jemand sein neues Lieblingsbuch damit entdecken, doch am Ende landen sie so oder so in der Tonne.

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Secondhand Bookshelf

Während die anderen beiden Boxen monatlich erscheinen, handelt es sich bei Secondhand Bookshelf um eine Quartalsbox aus Groß Britannien. Die Winterbox lief unter dem Motto „coziness“ und wie ihr am Titel der Box vielleicht schon erahnen könnt, bekommt ihr hier kein neues Buch zugeschickt, sondern einen Second Hand-Titel, der eigens für euch ausgesucht wird anhand von euren Lesepräferenzen, die ihr im Bestellvorgang angebt. Der Aspekt Nachhaltigkeit, der sich hier schon erahnen lässt, spielt auch bei der Auswahl der Goodies eine große Rolle, die von kleinen lokalen (da es eine englische Box ist, von uns aus gesehen wohl weniger lokal) KünstlerInnen und Unternehmen hergestellt werden und darauf aufmerksam machen sollen, dass es gar nicht so schwer ist, den Alltag nachhaltiger zu gestalten. Auch bei der Verpackung der Goodies wird auf Nachhaltigkeit geachtet, die Box selbst ist mit Zeitungspapier ausstaffiert und die scheinbaren Plastikverpackungen bestehen aus kompostierbarem Material wie Maisstärke.

Was war drin?

  1. Liane Moriartys „The Husband’s Secret“ (bei der Bestellung hatte ich keine Angaben zu meinen Lesegewohnheiten gemacht)
  2. Eilidh Gallaghers „Green Christmas“
  3. Stickrahmen-Set (Lazy May Embroidery)
  4. Kakao + Rezeptkarte für Hot Chokolate mit Espresso (Calm Cocoa)
  5. zwei Kekse mit Aufschrift „Just one more Chapter“ (Teacups and Tandems)
  6. Weihnachtskarte mit Umschlag (Brooke Marie Art)

Wenn man sich die Goodies beschaut, ist dies zweifellos getreu ihrem Motto die heimeligste Box, die zum gemütlich am Kamin sitzen und lesen (oder sticken) einlädt. Sämtlichen Items merkt man ihre Qualität (wohl heute mein Lieblingswort) an und die kleinen Botschaften, die daran heften, geben einem beim Auspacken ein Gefühl von Vertrautheit. Das Second Hand-Buch war in gutem Zustand, Leserillen lassen sich bei Softcovern nicht vermeiden, ich habe es gleich weiterverschenkt. „Green Christmas – Little changes that bring joy & help the planet“ beschäftigt sich mit allerlei Themen rund um ein nachhaltigeres Weihnachtsfest. Von der Verpackung über die Geschenkauswahl, den Umgang mit Kindern, Dekoration, Rezepte, Müllvermeidung und nachhaltige Reinigung sind einige spannende Punkte dabei. Kein Goodie verkörpert den Geist der Box so gut wie dieses Buch. Die Weihnachtskarte und der Kakao kommen wie gerufen, der Stickrahmen lädt zum abschalten ein. Nur bei den Keksen war ich etwas enttäuscht, dass hier die ökologische Nachhaltigkeit allein in der Unterstützung eines kleinen Betriebes und Maisstärkeverpackung, nicht aber in den Zutaten selbst (denn sie sind nicht vegan) eine Rolle spielt. Bis auf diesen Punkt hat mir die Winterbox, die selbst mit Versand aus Groß Britannien die günstigste unter den dreien ist (£28,99 plus £7,50) sehr gut gefallen.

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Zusammengefasst: Drei vollkommen unterschiedliche Boxen für verschiedene Zielgruppen, bei denen die teuerste zugleich die am wenigsten empfehlenswerte ist…

Vielleicht ist nun der oder die ein oder andere fündig geworden, für sich selbst oder als Weihnachtsgeschenk. Falls ihr mit dem Gedanken spielt, euch eine der Boxen zuzulegen, schaut euch mal nach Rabattcodes um. Bei Secondhand Bookshelf und der Witchcrown Box bin ich hier fündig geworden. 😊

Hier gehts zur Schmökerbox | Witchcrown Box | Secondhand Bookshelf Box

 

 

 

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